Wie die Modebranche umweltfreundlich wird

(Müll am Strand
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Umweltschutz ist ein extrem wichtiges Thema – und es wird von Tag zu Tag drängender. Deshalb ergreifen immer mehr Unternehmen Maßnahmen, die Müll reduzieren und die Umwelt entlasten sollen. Auch in der Modebranche machen sich viele kluge Köpfe Gedanken über ihren Beitrag zum Umweltschutz. Eine Methode, die zunehmend Verbreitung findet, ist die Nutzung von recyceltem Plastik in Kleidungsstücken. Apps wie „Good On You“ oder „DoneGood“ helfen Konsumenten dabei, nachhaltige Kleidung zu finden.

Klamotten aus Plastik

Model; Engin_Akyurt
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Jeder Mensch kann eine Menge dazu beitragen, dass die Umwelt weniger belastet wird. Das fängt schon damit an, den Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zu bewältigen. Auch wer im mobilen Casino am iPad spielt, verringert seinen ökologischen Fußabdruck, weil er nicht mit Auto oder Flugzeug zu einer Spielbank reist. Ein wichtiger Betrag ist auch die Verringerung des eigenen Müllbergs. Das kann etwa dadurch geschehen, kaum oder gar nicht eingepackte Waren zu kaufen oder gleich in einen verpackungsfreien Laden zu gehen. Ein im Umweltschutz bislang ziemlich unterschätzter Bereich ist die Kleidung. Dort stellen manche Unternehmen Mode aus nachhaltigen Materialien her. Dazu gehört etwa das US-amerikanische Label Everlane. Dessen Plan ist es, ab 2021 keinerlei Plastik mehr bei der Herstellung seiner Produkte zu verwenden. Als Vorbote für dieses Vorhaben hat Everlane bereits die Kollektion ReNew herausgebracht. Sie besteht aus fünf Puffer Jackets, vier Fleece-Pullovern und drei Parkas, für deren Herstellung Plastikflaschen benutzt werden. Diese werden gereinigt, in Flocken geschnitten, geschmolzen und zu Fäden verarbeitet. Aus denen werden dann die Kleidungsstücke gewoben.

Alte Kleidung wird neu

Bereits seit 1993 stellt die Firma Patagonia Polyester aus Plastikflaschen her. Das verwendet sie für die Produktion ihrer Jacken. Zudem hat sie vor Kurzem ein Programm gestartet, über das Kunden ihre getragenen Teile wieder an Patagonia verkaufen können. Dadurch erhalten sie einen Teil des Geldes zurück, das sie dafür ausgegeben haben. Patagonia wertet seinerseits die Rohstoffe der benutzten Kleidung auf und setzt sie in neuen Produkten ein. 

Ähnlich geht die Designerin Eileen Fischer vor. Vor einigen Jahren sorgte sie auf einer Gala in Manhattan für Aufsehen. In ihrer Rede sprach sie an, dass die Modebranche der schlimmste Umweltsünder ist – gleich nach den Unternehmen, die nach Öl bohren. Entsprechend musste Fischer als gutes Beispiel vorausgehen und brachte wenig später die limitierte Kollektion Remade in the USA auf den Markt. Deren Teile wurden aus Kleidungsstücken gemacht, die aus getragenen Klamotten bestehen. Zudem hat sich das Label das Ziel gesetzt, ab 2020 ausschließlich organische Fasern und zu 40 Prozent chemiefreie Farbstoffe zu nutzen.

Adidas macht auch mit

Adidas-Schuhe; thebeardedyogi
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Auch bei den Big Players im Modebereich hat bereits ein Umdenken eingesetzt. So ist Adidas vor einigen Jahren eine Partnerschaft mit Parley for the Oceans eingegangen. Die Organisation hat es sich zum Ziel gemacht, ein Bewusstsein für die Schönheit der Weltmeere und deren Zerstörung zu schaffen. Darum bestehen die Produkte, die im Rahmen von Adidas Parley entstehen, aus Plastikmüll, der an den Stränden der Welt gesammelt wurde.

Ende 2016 kamen die Laufschuhe UltraBOOST Uncaged Parley auf den Markt. Ein Paar davon wird aus der Menge an Plastik hergestellt, aus der rund elf Flaschen bestehen. Wer also Sneakers von Adidas Parley kauft, kann sich damit rühmen, den Ozeanen und ihren Bewohnern eine beträchtliche Belastung erspart zu haben. Die Popularität von Adidas sorgt dafür, dass sich die Produkte aus der Zusammenarbeit mit Parley sehr gut verkaufen. So wurden bis Ende 2017 mehr als eine Million Paar Schuhe produziert – aus elf Millionen Plastikflaschen, die andernfalls im Magen von Walen, Haien oder Delfinen gelandet wären. Teil der Kollaboration sind auch Trikots aus Plastik, die für Fußballclubs wie Real Madrid, Manchester United und Bayern München hergestellt wurden. Eine Bademoden-Kollektion gehört ebenfalls zum Portfolio von Adidas Parley.

Apps zum umweltfreundlichen Shoppen

Weil sich bislang nur recht wenige Menschen beim Klamottenkauf Gedanken über die Umwelt machen, haben verschiedene Entwickler Apps herausgebracht, die in diesem Bereich Aufklärung betreiben. Eine von ihnen heißt „Good On You“. Sie bewertet Modefirmen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit, aber auch des Umgangs mit ihren Mitarbeitern sowie der Verwendung von Tierprodukten. Jedes überprüfte Unternehmen erhält einen Wert zwischen 5 („großartig“) und 1 („meiden wir“). Als Quellen für die Bewertung verwendet das Team von „Good On You“ sowohl die eigenen Angaben des Labels als auch unabhängige Einschätzungen. Zertifikate und verschiedene Beurteilungssysteme werden ebenfalls in die Wertung einbezogen.

Einen ähnlichen Ansatz hat die App „DoneGood“. Auch sie bewertet Modefirmen nach deren Umweltfreundlichkeit, verbindet dies aber gleich mit der Möglichkeit, nach konkreten Produkten zu suchen. Wer beispielsweise nach einem Paar Socken sucht, dem werden bei „DoneGood“ nur Teile angezeigt, die im Sinne der Nachhaltigkeit hergestellt wurden. So können die Kunden ohne schlechtes Gewissen neue Kleidung kaufen. Wegen der Datenschutz-Grundverordnung ist „DoneGood“ aber momentan nicht in den Ländern der EU verfügbar.