Mehr E-Busse für Deutschland

E-Bus in Braunschweig
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Der Diesel-Skandal um Volkswagen hält die deutsche Automobilbranche seit Monaten in Atem. Nicht zuletzt er hat dafür gesorgt, dass die Bevölkerung in Deutschland immer mehr umdenkt. Die Zahl der verkauften Autos mit elektrischem Antrieb steigt stetig, und auch im öffentlichen Personennahverkehr wird man in nächster Zeit zunehmend Fahrzeuge sehen, die ohne Benzin oder Diesel auskommen. In manchen Städten sind heute bereits E-Busse unterwegs.

70 Millionen für elektrische Busse

Mit dem Bus fahren, eine Runde Online Blackjack auf dem Smartphone spielen und sich dabei keinerlei Sorgen um die Umwelt machen – das soll in naher Zukunft in allen deutschen Großstädten möglich sein. Denn die Bundesregierung hat kürzlich bekanntgegeben, dass sie bis Ende 2021 insgesamt 70 Millionen Euro in den Kauf von elektrisch betriebenen Bussen sowie die Infrastruktur investieren möchte, die zum Aufladen der Akkus nötig ist. Weil die deutsche Regierung dafür eine Förderung der EU beantragt hat, musste die Staatengemeinschaft den Betrag erst genehmigen. Eine Prüfung zeigte, dass die Pläne dazu beitragen würden, die CO2-Emission zu verringern, weshalb die EU-Kommission die Förderung bewilligte. Verbunden damit ist die Verpflichtung, dass die Energie, die für den Betrieb der neu erworbenen E-Busse genutzt wird, aus erneuerbaren Quellen stammt.

E-Busse in Deutschland

Die elektrisch betriebenen Busse, die die deutschen Verkehrsbetriebe in den nächsten dreieinhalb Jahren von den 70 Millionen Euro erwerben werden, sind längst nicht die einzigen, die dann durch deutsche Städte rollen werden. Bereits seit 2014 laufen in ganz Deutschland Projekte, mit denen der großflächige Einsatz von E-Bussen getestet werden soll. Durch insgesamt 45 Städte fahren schon Busse mit Stromantrieb, in vielen anderen Ortschaften ist ihr Einsatz in naher Zukunft geplant. Dass sich derzeit eine so enorme Anzahl an Gemeinden mit dem Thema beschäftigt, hat vor allem mit den EU-Vorgaben zur Schadstoffbelastung von Innenstädten zu tun. Schon seit einiger Zeit liegen verschiedene deutsche Städte deutlich über den Richtwerten, was in einigen bereits zu Fahrverboten für Dieselfahrzeuge geführt hat. Würde man nach und nach die 22.000 mit Diesel betriebenen Busse aus dem Verkehr ziehen, die in deutschen Städten unterwegs sind, dann würde man damit etwa 20 Prozent der Schadstoffbelastung eliminieren. Zu den Städten, in denen derzeit E-Busse eingesetzt werden, gehören unter anderem Berlin, Hamburg, Bremen, München, Köln und Leipzig.

E-Bus in Aachen
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Die Suche nach Herstellern

Die meisten mit Diesel betriebenen Busse, die in Deutschland zurzeit unterwegs sind, stammen von den Herstellern MAN und Mercedes. Allerdings haben diese noch keine E-Busse in ihrem Portfolio. Dies hat ihnen vielfach die Kritik eingebracht, dass sie den Trend zur E-Mobilität nicht verfolgen. Stattdessen müssen sich die Stadtwerke, die die Anschaffung von elektrisch angetriebenen Bussen planen, bei anderen Herstellern umsehen. Die einzigen deutschen Unternehmen, die momentan E-Busse produzieren, sind Sileo aus Salzgitter und Eurabus aus Berlin. Sie konkurrieren mit anderen europäischen Firmen wie Solaris aus dem polnischen Posen und VDL aus dem niederländischen Eindhoven. Der einzige Hersteller von klassischen Bussen, der derzeit auch E-Busse produziert, ist Volvo, alle anderen Unternehmen sind auf das Feld der elektrisch betriebenen Transportfahrzeuge spezialisiert. Hamburg zum Beispiel hat sich dafür entschieden, verschiedene Modelle von Sileo und Volvo einzusetzen. Ende 2018 beginnt Mercedes damit, den Citaro E-CELL als ersten serienmäßigen E-Bus der Firma herzustellen. MAN will 2019 nachziehen und seinen ersten Elektro-Bus auf den Markt bringen.

Eine Frage der Kapazität

Wie bei herkömmlichen Bussen und ihrem Treibstoff geht es auch bei E-Bussen darum, dass sie mit einer Stromladung eine möglichst große Reichweite abdecken können. Schließlich soll der Bus nicht nach jeder Fahrt an die Steckdose angeschlossen werden und für die nächsten Stunden außer Betrieb sein. Auch die unterschiedlichen Arten, die elektrische Energie zu speichern, müssen zunächst getestet und auf ihre Tauglichkeit für die alltägliche Nutzung geprüft werden. Manche können während der Fahrt aufgeladen werden, andere werden an ihrer jeweiligen Endhaltestelle ans Stromnetz gehängt und so lange geladen, bis die nächste Fahrt ansteht. Wieder andere Busse müssen über Nacht mit dem Stromnetz verbunden werden. Weil die heutigen Technologien noch nicht ausgereift sind, hoffen die Verkehrsbetriebe auf raschen Fortschritt.