Das erste 3D-gedruckte Wohnhaus der Welt

Das erste 3D-gedruckte Wohnhaus der Welt
Quelle: 3DPrint.com

Es ist wohl der Traum eines jeden Menschen, irgendwann im eigenen Haus zu leben. Aber der Weg dahin ist oftmals steinig, weil die perfekte Immobilie meist sehr viel Geld kostet. Also gilt es, jahrzehntelang einen Kredit abzuzahlen, einen ordentlichen Gewinn im Online Roulette einzustreichen – oder sein Traumhaus im 3D-Drucker entstehen zu lassen. Was nach ferner Science-Fiction klingt, ist tatsächlich schon Realität geworden: Seit Juli 2018 lebt im französischen Nantes eine fünfköpfige Familie in einem Haus, das komplett per 3D-Druck entstanden ist.

Wie Yhnova entstand

Um das Gebäude zu fertigen, haben sich die Universität von Nantes, das Forschungslabor LS2N und das Forschungsinstitut GeM zusammengetan und den 3D-Druckroboter BatiPrint3D entwickelt. Dessen vier Meter langer Arm kann Mauern aus insgesamt drei Schichten ausdrucken. Die ersten beiden werden parallel zueinander errichtet und bestehen aus einem Schaum, der schnell aushärtet. Dazwischen platziert der Roboter Beton als dritte Schicht. Das erste Projekt, das mit BatiPrint3D realisiert wurde, war Yhnova – ein 95 Quadratmeter großes Haus in Nantes. Dessen Grundriss erinnert an ein Ypsilon, zudem sind die Ecken des Hauses abgerundet. Die Form hat nicht nur optische, sondern auch praktische Gründe.

So zirkuliert die Luft im Inneren des Gebäudes besser, außerdem sammelt sich darin weniger Feuchtigkeit. Das Drucken der Wände hat gerade einmal 54 Stunden gedauert. Allerdings waren danach noch etwa vier Monate nötig, bis auch Fenster und Türen eingebaut waren und das Dach auf die Konstruktion gehoben war. Einer der großen Vorteile der Bauweise ist, dass die Umgebung des Standorts nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Sowohl das Gras als auch die Bäume in der Umgebung bleiben unberührt. Das Budget für den Bau von Yhnova betrug rund 195.000 Euro und liegt damit etwa 20 Prozent unter den Kosten für die Errichtung eines herkömmlichen Hauses. Zudem sind im Budget die Sensoren erfasst, die das 3D-Haus hinsichtlich der Luftfeuchtigkeit, der Qualität der Materialien und anderer Faktoren überwacht.

Wie es sich im Haus lebt

Wie es sich im Haus lebt
Quelle: RT.com

Im Juli 2018 sind die Bewohner von Yhnova ins Haus eingezogen. Es handelt sich dabei um das Ehepaar Nordine und Nouria Ramdani und dessen drei Kinder. Die Familie hatte zuvor in einer Sozialwohnung gelebt, die in den 1960er-Jahren errichtet wurde. Nun kommt sie in den Genuss, in einem Einfamilienhaus mit fünf Zimmern, isolierten Wänden und einem eigenen Garten zu wohnen. Noch dazu können sie verschiedene Prozesse im Haus mit dem Smartphone steuern. So lässt sich etwa die Heizung per Telefon aus der Ferne regeln.

Was das Projekt für die Zukunft der Baubranche bedeutet

Das Team hinter BatiPrint3D hat bereits verkündet, dass der Zeitrahmen von 54 Stunden, den der Bau von Yhnova in Anspruch genommen hat, noch kürzer werden könnte. Die Rede ist davon, die Dauer der Konstruktionsarbeiten auf 33 Stunden zu reduzieren. Die geringe Bauzeit und das vergleichsweise kleine Budget dürften den Häuserbau mithilfe eines 3D-Druckroboters in Zukunft sehr attraktiv machen. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass 3D-Druck in der Baubranche zum Einsatz kam. Anfang 2017 ist in Alcobendas, einem Vorort von Madrid, die erste Brücke der Welt in diesem Verfahren entstanden.

Sie ist zwölf Meter lang, 175 Zentimeter breit und lässt die Besucher des Castilla-La-Mancha-Parks einen Bach überqueren. Außerdem wird seit 2014 in Amsterdam ein Haus gebaut, dessen Einzelteile im 3D-Drucker produziert werden. Yhnova dagegen druckt nicht nur ein Haus im Ganzen aus, das Ergebnis besteht noch dazu aus drei Schichten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der 3D-Druck in einigen Jahrzehnten die klassischen Bauarbeiten zumindest unterstützen und irgendwann gänzlich ablösen wird. Derzeit sind schon weitere Projekte geplant, für die BatiPrint3D verwendet werden soll. So sollen im Norden von Paris 18 Wohnhäuser im 3D-Druckverfahren entstehen, auch ein kommerzielles Gebäude mit einer Fläche von 700 Quadratmetern steht kurz vor der Realisation. Außerdem arbeiten weitere Start-up-Unternehmen daran, per 3D-Druck schnell und günstig Häuser herzustellen.