Ein Stuhl, der immer mit dabei ist

Wearable Chair
Quelle: Core77

Tragbare Technik, so genannte Wearables, ist derzeit ein großer Trend in der Welt der Kleidung und Accessoires. Der große Erfolg von Smartwatches spricht diesbezüglich eine deutliche Sprache, auch Erfindungen wie T-Shirts, die den Puls und andere Vitalwerte messen können, besitzen das Potential, bald zum Standard zu werden. Schon vor einigen Jahren hatten Entwickler aus Japan die Idee, eine Sitzgelegenheit zu konstruieren, die am Körper festgemacht werden kann. Das ermöglicht es, selbst dann bequem zu sitzen, wenn gerade kein passendes Möbelstück in der Nähe ist – wenn man beispielsweise in Ruhe eine Runde im Casino online spielen möchte. Sinnvoll ist eine solche Konstruktion auch für Menschen, die bei ihrer Arbeit oft und lange stehen müssen.

Archelis aus Japan

Mitte 2015 begann das japanische Unternehmen Nitto damit, eine Konstruktion zu planen, die einen Stuhl ersetzen sollte. Als Vorbild dienten so genannte Exoskelette, also Strukturen, die sich außerhalb des Körpers befinden und diesen stützen sollen. In der Medizin wird diese Technik bereits seit einer Weile eingesetzt, etwa zur Unterstützung der Gelenke. Überdies wird an Systemen geforscht, die beispielsweise Patienten mit gelähmten Beinen mit Hilfe eines elektrischen Antriebs das Laufen ermöglichen. Das gleiche Prinzip wendet auch der tragbare Stuhl Archelis an, den Nitto konstruiert hat. An bestimmten Punkten an den Beinen liegt er fest an, darunter etwa an der oberen Hüfte, den vorderen Schienbeinen und den Fersen. Dazu ist Archelis an den Knien und den Knöcheln locker befestigt, so dass das Laufen problemlos möglich ist.

Lässt der Träger nun seine Muskeln erschlaffen, dann liefert die Konstruktion die nötige Unterstützung, um ihn in einer sitzenden Position zu halten. Bei der Planung und Umsetzung holte sich Nitto Hilfe bei Forschern der Universität Chiba, die über das nötige Wissen um den Bewegungsapparat des menschlichen Körpers verfügten. Die Entwickler hatten vor allem Ärzte im Sinn, die teilweise stundenlang im Operationssaal stehen müssen und sich dabei keine Schwäche erlauben dürfen. Denkbar ist eine Nutzung aber auch für Krankenschwestern, Arbeiter am Fließband, Verkäufer oder andere Personen, die beruflich viel Zeit im Stehen verbringen. Aber auch im privaten Bereich kann sich Archelis als nützlich erweisen, wenn man etwa an Messebesuche oder sehr langes Anstehen für ein begehrtes Produkt denkt. Archelis sollte so dünn wie möglich konstruiert sein, damit es unter der Kleidung verborgen ist. Obwohl eine Markteinführung bereits seit 2016 geplant ist, steht sie noch immer aus.

Exoskelett
Quelle: DisruptorDaily

Eine deutsche Entwicklung

Ein Modell für einen tragbaren Stuhl kommt aber nicht nur aus Japan, sondern auch aus Deutschland. Das Start-up noonee aus Deizisau hat den Chairless Chair entwickelt, der im Wesentlichen nach dem gleichen Prinzip funktioniert wie Archelis, aber bereits käuflich erworben werden kann. Der Chairless Chair wird an der Hüfte, den Oberschenkeln und den Füßen mit dem Körper des Trägers verbunden. Die Konstruktion selbst liegt an der hinteren Seite der Beine an und unterstützt diese, wenn eine sitzende Position eingenommen wird. Um optimal mit dem Chairless Chair umgehen zu können, wird der Träger zunächst in der Nutzung geschult. Er lernt, wie er den Stuhl an- und auszieht, wie er sich nach Gegenständen auf dem Boden bückt und sich generell sicher mit dem Gerät bewegt.

Ist der Umgang mit dem Chairless Chair erst einmal geübt, dann dauert es nur 30 Sekunden, ihn anzulegen, und zehn Sekunden, ihn auszuziehen. Er lässt sich individuell auf die benötigte Sitzhöhe einstellen und kann an verschiedene Körpergrößen angepasst werden. Außerdem ist er auch mit Sicherheitsschuhen nutzbar. Ein einzelnes Gerät kostet 3.750 Euro, wenn für eine ganze Abteilung oder einen Betrieb eingekauft wird, ist ein Mengenrabatt möglich. Den Antrieb für noonee, einen tragbaren Stuhl zu bauen, bildeten vor allem die bedenklichen Zahlen von Erkrankungen an Muskeln und Skelett, die durch langes Stehen am Arbeitsplatz verursacht werden. Statistiken zufolge ist ein Viertel aller Fehltage auf diese Erkrankungen zurückzuführen. Angesichts dessen, dass demnächst mehr als die Hälfte aller berufstätigen Menschen in Deutschland älter sind als 50, sahen die Gründer von noonee dringenden Handlungsbedarf.